Ringreiten
Eine besondere Tradition aus Zeeland
Ringreiten ist eine traditionelle Sport aus der niederländischen Provinz Zeeland. Besonders auf den Halbinseln Walcheren und Zuid-Beveland gehört diese besondere Kombination aus Pferdesport, Geschicklichkeit und Folklore seit Jahrhunderten zur regionalen Kultur. Dieser Sport wird sowohl zu Pferd als auch mit einer Sjees, also einem zweirädrigen Kutschwagen, ausgeübt.
Der Ursprung des Ringreitens liegt wahrscheinlich in den mittelalterlichen Ritterspielen. Damals versuchten Ritter im Galopp mit ihrer Lanze einen kleinen Ring zu treffen, der an einem Band hing – ein Zeichen von Mut und Geschicklichkeit. In Zeeland entwickelte sich daraus im Laufe der Jahrhunderte das Ringreiten, wie es heute noch praktiziert wird.
Im Jahr 1950 wurde die Zeeuwse Ringrijders Vereniging (ZRV) gegründet. Dieser Verband organisiert die Wettbewerbe und sorgt dafür, dass die Tradition erhalten bleibt. Heute gehören 16 Vereine dazu – 15 auf Walcheren und einer auf Zuid-Beveland. Die Vereine veranstalten ihre eigenen Wettkämpfe und nehmen außerdem an gemeinsamen Meisterschaften teil.
Die Ringreitsaison dauert von Anfang Mai bis etwa Mitte September. Zu den Höhepunkten gehören die Klassenwettkämpfe, bei denen dreiköpfige Teams aus verschiedenen Dörfern gegeneinander antreten, sowie die folkloristischen Ringreit-Tage in Middelburg, bei denen die besten Reiter um den Titel des zeeländischen Meisters und um königliche Pokale kämpfen. Auf unserer Homepage finden Sie die Turniere, an denen Teilnehmer der Zandruiters und der RVM teilnehmen. Den vollständigen Kalender der Ringreiten in Zeeland finden Sie hier.

Zusammenspiel zwischen Reiter und Pferd
Ringreiten ist ein echtes Zusammenspiel zwischen Mensch und Pferd. Die Reiter versuchen im Galopp mit einer Lanze einen kleinen Ring zu treffen, der über der Bahn hängt. Dafür sind Konzentration, Balance und viel Übung nötig.
Nicht jeder Teilnehmer besitzt ein eigenes Pferd. Manche Reiter mieten für einen Wettkampf ein Pferd für einen Tag. Die meisten erfahrenen und erfolgreichen Ringreiter haben jedoch ihr eigenes Pferd, mit dem sie regelmäßig trainieren.
Grundsätzlich können Pferde aller Rassen beim Ringreiten eingesetzt werden. Ursprünglich ritten viele Teilnehmer mit Zeeuwse Trekpaarden (Zeeländische Kaltblüter), den traditionellen Arbeitspferden der Region. Auch heute sind sie noch häufig zu sehen – und für viele Zuschauer sind diese kräftigen Pferde der schönste Anblick beim Ringreiten.
Lebendige Tradition
Früher waren es oft Bauernknechte, die sich für einen Tag frei nahmen, um mit dem Arbeitspferd ihres Bauern am Ringreiten teilzunehmen. Heute ist es ein ernsthafter Sport geworden, für den viele Teilnehmer regelmäßig trainieren.
Trotzdem ist Ringreiten bis heute vor allem eines geblieben: eine lebendige zeeländische Tradition, bei der Sport, Pferde und Geselligkeit zusammenkommen – und die jedes Jahr viele Besucher begeistert.
Wussten Sie das?
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Beim Ringreiten galoppiert das Pferd über eine 36 Meter lange und nur 1 Meter breite Bahn unter einem Ring hindurch.
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Der Ring hängt in einer Höhe von etwa 2,20 Metern zwischen zwei Pfosten über der Bahn.
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Ein normaler Wettkampfring hat einen Durchmesser von 38 Millimetern. Beim Stechen um den Sieg wird der Ring immer kleiner – bis auf nur 10 Millimeter.
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Während eines Wettkampfs reiten die Teilnehmer normalerweise 30 Durchgänge.
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Die Reiter tragen traditionell ein weißes ZRV-Kostüm mit einer orangenen Schärpe über der rechten Schulter – ein Symbol der Verbindung zum niederländischen Königshaus.
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Männer und Frauen treten gemeinsam in derselben Konkurrenz an. Man darf ab etwa 12 Jahren teilnehmen – eine Altersobergrenze gibt es nicht.
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Beim Ringreiten sind alle Pferderassen erlaubt. Früher ritten viele Teilnehmer auf schweren Kaltblütern, heute sieht man auch Haflinger und speziell gezüchtete Ringreitpferde.
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Ein gutes Pferd muss nicht unbedingt schnell sein. Dabei hat jeder seine eigenen Vorlieben. Das Pferd muss jedoch brav und geduldig sein. Es muss ruhig vor der Bahn warten und am Ende anhalten. Das erfordert manchmal viel Training im Voraus.
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Neben den Preisen für die meisten gestochenen Ringe gibt es auch Preise für die schönste Pferdeverzierung.
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Besonders die Trekpaarden werden oft mit langen Wollsträngen in den Farben Rot-Weiß-Blau geflochten.
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Der Sieger eines Wettkampfs wird traditionell von den anderen Reitern hochgehoben und in die Luft geworfen – diese alte Tradition nennt man „Jonassen“.
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Früher war die Pollepel ein Spottpreis für den Reiter ohne Treffer. Heute ist sie eine beliebte und besondere Trophäe.
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In manchen Dörfern wird während des Ringreitens eine „Suukerkomme“ herumgereicht – eine Schale mit Branntwein, Zucker und salzigen Kuchen.
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Bei einem Ringreitwettbewerb sind viele Helfer nötig. Neben dem Bahnkommissar helfen unter anderem Ringaufhänger, Ringloper und Schreiber, die die Treffer notieren. Ein Speaker informiert das Publikum über den Wettkampf, und oft kümmern sich auch Kinder um die Pferde. Zusammen mit den Reitern, die beim Auf- und Abbau helfen, entsteht so ein echtes Gemeinschaftserlebnis.
Ringreiten
mit Pferd und Sjees
Neben dem Ringreiten zu Pferd gibt es in Zeeland auch das Ringreiten mit der Sjees, einer traditionellen zweirädrigen Kutsche. Diese Sjezen sind oft wunderschön geschmückt mit frischen Blumen und anderen dekorativen Elementen.
In der Sjees sitzen traditionell ein Bauer und eine Bäuerin in zeeländischer Tracht. Manchmal fahren auch Kinder mit. Der Mann lenkt das Pferd, während die Frau mit einer Lanze versucht, die entlang der Strecke aufgehängten Ringe zu stechen. Das Ringreiten mit der Sjees gehört zu den farbenfrohsten und beliebtesten folkloristischen Teilen dieser Tradition.
Das Niveau im Sjezenreiten steigt stetig. Immer häufiger erreichen Teilnehmer eine 100-%-Trefferquote, sodass oft ein kleiner Ring von 10 mm über den Sieger entscheidet. Außerdem gibt es Preise für die schönste Ausschmückung in den Kategorien Kaltblüter und andere Rassen.
Ein Höhepunkt ist der erste Folkloristische Tag in Middelburg, wenn zahlreiche Sjezen auf dem stimmungsvollen Abdijplein zu sehen sind. Neben den regulären Preisen der Jury der Zeeuwse Ringrijders Vereniging werden auch Auszeichnungen einer künstlerischen Jury, einer Publikumsjury sowie für die schönsten Trachten vergeben.















